Vom Smart Phone zur Smart City zur Open City

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Ausgangsthese

Smart Cities sind heutzutage bereits Realität, aber nicht nur aufgrund Firmeninitiativen, sondern vor allem auch aufgrund der mobil-vernetzten Kommunikation der Nutzer. Die smarte Revolution ist bottom-up-geprägt! Offenheit und Kollaboration tragen zu einem fundamentalen Wandel des urbanen Lebens bei. Smart Cities werden meistens als infrastrukturelle Projekt gesehen und insbesondere mit Firmen wie IBM und Siemens in Verbindung gebracht. Dabei findet die tatsächliche, smarte Revolution bereits tagtäglich statt: in der vielfachen Nutzung und damit verbundenen Vernetzung der Bürger in ihrem alltäglichen Leben. 

Mit dem Smartphone in der Hand…

90% der Bundesbürger besitzen ein Handy. Und der Anteil der Smartphones hieran steigt kontinuierlich und liegt nun bei fast 35%. Bei den Teens und Twens machen Smartphones bereits mehr als 50% aus.2 Damit sind Handy/Smartphones ein wesentlicher Teil der städtischen (Kommunikations-)Infrastruktur. Und zukünftig mag es nicht mehr zwangsläufig das Handy allein sein, mit dem wir unterwegs die digitale Kommunikation mit anderen suchen… 

…entsteht eine vernetzte Kommunikation

Mobile Kommunikation ist alltäglich geworden. Digital basierte, Asynchrone und ortsungebundene Kommunikation ist nun genauso alltäglich wie synchrone Gespräche vor Ort. Die digital basierte, multimediale und mobile Kommunikation ist ein natürlicher Teil des städtischen Verhaltens geworden. Dazu gehören beispielsweise alltägliche Gespräche über Ortsgrenzen hinweg, die Verbreitung von künstlerischen Interventionen und Flashmobs. 

Vernetzte Menschen …

…durch Smart Phones als vernetzende Struktur, welche die Menschen zusammenbringen: synchrone Gespräche, asynchrone Informationsaustausch, real-time-communication, ortsbezogene Information, mobile social networks. 

Vernetzte Städte

Was bedeutet dieser Wandel für die Städte? Man kann hier nur erste Vermutungen anstellen, die zudem Bilder von bekannten Science Fiction Filmen evozieren, wie z.B. Matrix oder Minority Report – doch mögen diese Filme in eine mögliche Richtung weisen. Bei einem Wandel zu einer „VernetztenStadt“, einer „Smart City“ sind unterschiedliche Ebenen zu berücksichtigen: 

  1. Die Kommunikation der Menschen (mit dem Handy in der Hand) untereinander in der Stadt, die die reale Kommunikation überlagert (vernetze Kommunikation). 
  2. Die Kommunikation der Menschen mit Objekten in der Stadt und mit Objekten, die sich in Gebäuden befinden (Internet of things): 
    Durch vernetzte Strukturen können wir Informationen zu Gebäuden direkt abfragen, wir können von unterwegs die Abfahrt der nächsten U-Bahn herausfinden, wir wissen, wo sich die günstigste Jeans in der Nähe befindet, wir werden beim Eintreten in ein Gebäude darüber informiert, wo sich das Café befindet und wann es hier das Mittagessen gibt, wir können interaktiv Einfluss auf mediale Fassaden nehmen und z.B. Grüße übermitteln. 
  3. Die Vernetzung von Objekten in einer Stadt untereinander 
    Infrastrukturelle Einheiten in Gebäuden können sich selbst steuern und die Steuerungsinformationen an weitere Infrastrukturen weiterreichen, Gebäude kommunizieren untereinander, städtische Infrastrukturen reichen Statusmeldungen einander weiter. 
    Städte (wie auch Unternehmen) stürzen sich verstärkt auf die Chancen, die eine Smart City bieten kann. Die weiteren Fragen, die sich stellen, sind: Wie reagiert eine Stadt angemessen auf die technischen Potentiale, die sich auftun, und wie können sie im Sinne eines Stadtmanagements zum Allgemeinwohl der in der Stadt Lebenden genutzt werden? 

Kritische Reflektion

Diesen Fragen wollen wir – als Stadtplaner und -forscher in einem Vortrag nachgehen und zukünftige Herausforderungen und Aufgaben der Städte dem Publikum nahe bringen. Dabei wollen wir auch kritische Fragen beleuchten. Denn die Offenheit in der Kommunikation mit Hilfe vernetzter Geräte mag zwar bottom-up geprägt sein. Aber viele Anwendungen, die die vernetze Kommunikation prägen (Google+, Facebook etc.) sind in den Händen multinationaler Unternehmen. Sie geben uns vor, wie wir kommunizieren sollen und prägen unser Kommunikationsverhalten. Man muss hier eine Top- down geprägte zukünftige vernetzte Kommunikationswelt befürchten, in der Unternehmen unsere Kommunikation nicht nur prägen, sondern kontrollieren. Abhilfe schaffen hier bewusstes Verhalten der Nutzer, indem sie auf freie Tools (Open Source, Open Data) zurückgreifen und damit eine offene – Open City – unterstützen und befördern.